Kind hat Geheimnis

Mein Kind hat ein Geheimnis

Kinder müssen ihren Eltern nicht alles erzählen. Es tut ihnen gut, kleine Geheimnisse zu haben. Doch wo verläuft die Grenze zwischen kindlicher Geheimniskrämerei und echten Lügen? Woran erkennst du, ob dein Kind etwas Wichtiges vor dir verheimlicht? Und wie schaffst du Vertrauen im Umgang mit deinem Kind, damit es sich dir anvertrauen kann? Vielleicht helfen dir unsere Tipps.

Kinder brauchen Geheimnisse (aber nicht alle Geheimnisse sind gesund)

Geheimnisse gehören zur Kindheit wie schlammige Kleidung und aufgeschlagene Knie. Kinder lieben Geheimes und erfinden mit Vorliebe Geheimschriften und -sprachen, suchen sich heimliche Unterschlupfe und persönliche Verstecke.

Diese Art von Geheimniskrämerei ist völlig normal und sogar wichtig für Kinder:

Auf diese Weise grenzen sie sich von der Welt der Erwachsenen ab, stärken Freundschaften und testen ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Nicht jedes Geheimnis muss deshalb gelüftet werden. Respektiere die heimlichen Schätze und Tricks, selbst wenn du sie durchschaust. Genieße es, wenn dein Kind mit Freunden tuschelt, und erinnere dich an den Zauber der Kindheit.

Es gibt allerdings auch Geheimnisse, die gefährlich werden: Wenn Kinder etwas verheimlichen, das für sie schlimm ist. Vielleicht hat dein Kind etwas ausgefressen und will es aus Angst vor Strafe nicht zugeben. Vielleicht hat es etwas Verstörendes beobachtet oder ihm/ihr ist etwas passiert, das es nicht einordnen kann. Vielleicht soll dein Kind das Geheimnis eines anderen mittragen, obwohl es damit nicht gut zurechtkommt. Im schlimmsten Fall ist ihm/ihr etwas Schlimmes widerfahren (zum Beispiel Mobbing oder ein sexueller Übergriff) und es wurde mit der Aussage „Das bleibt aber unser Geheimnis!“ zum Schweigen gebracht. Solche Heimlichkeiten sind nicht gesund. Wenn du die Vermutung hast, dass dein Kind ein belastendes Geheimnis hat, solltest du versuchen, dahinter zu kommen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Lügt mein Kind? So deutest du die Körpersprache!

Je größer ein Kind wird, umso schwieriger wird es, Lügen anhand der Körpersprache oder des Verhaltens zu erkennen. Mögliche Hinweise können diese Verhaltensweisen sein:

  • Das Kind weicht dem Blickkontakt aus.
  • Es reagiert heftig auf Nachfrag<en oder verweigert das Gespräch komplett.
  • Es wirkt körperlich angespannt und zeigt wenig oder nur steife Bewegungen.
  • Es zappelt auffällig viel herum und wirkt unruhig und nervös.
  • Es wirkt bedrückt und niedergeschlagen.
  • Es verändert sein Verhalten, schläft zum Beispiel schlecht, weint viel oder ist aggressiv.

Nicht immer deuten solche Verhaltensweisen auf böse Geheimnisse hin. Wenn sie sich aber häufen, solltest du hellhörig werden.

Herumschnüffeln ist ein No-Go

Auch wenn es schwerfällt: Herumschnüffeln in den Privatsachen deines Kindes ist tabu! Das bedeutet: Rühre seine*ihre Geheimverstecke nicht an, auch wenn du sie kennst. Öffne nicht ihre Post (das gilt auch für Briefchen und Zettelchen, die du irgendwo in seinen*ihren Sachen findest). Stöbere nicht in seinem*ihrem Handy. Und lies auf keinen Fall in seinem*ihrem Tagebuch. Ja, vielleicht würdest du dort Informationen finden, die dein Kind dir nicht sagen will. Gleichzeitig begehst du damit aber einen furchtbaren Vertrauensbruch. Die Folge: Dein Kind sagt dir in Zukunft noch weniger und versucht nur, seine*ihre Geheimnisse noch besser vor dir zu verbergen.

Achtsame Kommunikation mit Kindern:

Wenn du ein böses Geheimnis bei deinem Kind vermutest, solltest du es vorsichtig darauf ansprechen. Wichtig ist, dass dein Kind versteht, dass du nicht aus Neugier oder Machthunger fragst, sondern aus Sorge. Erkläre den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen und mach klar, dass dein Kind immer zu dir kommen kann und du ihm*ihr helfen wirst. Gehe bei diesen Gesprächen behutsam und ohne Druck vor. Beobachte dein Kind gut und beende das Gespräch, wenn du das Gefühl hast, es wird für dein Kind zu viel. Du kannst ja jederzeit einen neuen Anlauf starten.

Generell gilt: Je besser das Vertrauen zwischen dir und deinem Kind ist, umso eher wird es sich dir anvertrauen, wenn es Hilfe braucht. Deshalb gibt es Möglichkeiten, bösen Geheimnissen vorzubeugen, mit Vertrauen in der Erziehung:

  • Reagiere bei Fehltritten verständnisvoll und sieh von übertriebenen Strafen ab. Dann traut sich dein Kind eher, zuzugeben, wenn es Mist gebaut hat.
  • Sage und zeige deinem Kind immer wieder: Ich finde vielleicht nicht alles gut, was du tust. Aber ich liebe und unterstütze dich immer, egal, was passiert!
  • Erkläre deinem Kind schon frühzeitig, dass niemand es zu Geheimnissen zwingen darf. Wenn jemand verlangt, den Eltern nichts zu erzählen, muss das Kind sich nicht daran halten.


Wann ihr Hilfe braucht:

Manchmal ist es einem Kind einfach nicht möglich, sich den Eltern anzuvertrauen. Dann ist eine andere erwachsene Vertrauensperson wichtig. Das kann die Tante/ der Onkel, ein*e Nachbar*in oder ein*e Lehrer*in sein. In schwereren Fällen ist ein*e Psychotherapeut*in der*die richtige Ansprechpartner*in.

Eine Beratung ist sinnvoll, wenn du das Gefühl hast, dein Kind trägt ein schweres Geheimnis mit sich herum, das du einfach nicht aus ihr/ihm heraus bekommst.

Wenn du Unterstützung brauchst, wende dich einfach an uns. Wir helfen dir und deinem Kind gerne.