Therapie nur bei unglücklicher Kindheit

Psychotherapie: Nur bei unglücklicher Kindheit?

Die Meinung, dass Psychotherapie nur für Menschen mit unglücklicher Kindheit sinnvoll ist, hält sich wacker. Definitiv kann eine unglückliche Kindheit zu psychischen Erkrankungen führen und dazu beitragen, dass Erlebtes aufgearbeitet und geheilt werden darf. Besonders, wenn Gewalt und Vernachlässigung zu der Tagesordnung gehörten. Neben diesem Punkt gibt es aber noch weitere Erfahrungen außerhalb der Kindheit, die einen Menschen nachhaltig belasten und krank machen können.

Das wohl eindrücklichste der oben beschriebenen Erlebnisse ist wohl das Trauma, welches jedem von uns natürlich auch jenseits der Kindheit widerfahren kann. Naturkatastrophen, Kriege, Geiselnahmen, Vergewaltigungen oder Unfälle mit drohenden ernsthaften Verletzungen sind hier am ehesten zu nennen.

Schwerwiegende Erkrankungen sind ein weiterer möglicher Grund, bei dem eine Psychotherapie in Betracht gezogen werden kann. Nicht nur für die Betroffenen auch für die Angehörigen oder Hinterbliebenen verstorbener geliebter Menschen kann eine psychologische Betreuung, Linderung der seelischen Verletzung bedeuten.

Genauso können sich aber auch die immer unrealistischer werdenden Schönheitsideale unserer Gesellschaft auf unsere Seele auswirken. Magersucht und Bulimie sind dabei wohl die bekanntesten Folgen. Aber nicht nur die Schönheitsideale, sondern auch allgemeine Ideale der Öffentlichkeit oder auch einzelner Person in unserem Umfeld, können sich nachhaltig auf uns auswirken. Die Palette reicht dabei von der Vorstellung eines liebevollen und „guten“ Menschen, Freund und Partner bis hin zu dem perfekten Arbeiter. Dieses eng geschnürte Wertesystem unserer heutigen Zeit führt nicht selten zu Mobbing in jeglichen Lebensabschnitten und Bereichen. Der daraus resultierende innere Druck, den Vorstellungen unserer Mitmenschen gerecht werden zu müssen, kann dann natürlich leicht in psychischen Problematiken gipfeln. Sicherlich muss nicht sofort das Vollbild einer Erkrankung auftreten. Es reichen schon die schützenden Strategien, wie allgemeine Isolation und Rückzug, welche sich aus einzelnen verletzenden Situationen entwickeln, um sich dann im Nachhinein problematisch auf das restliche Leben auszuwirken. An dieser Stelle darf sicherlich ebenfalls an psychologische Unterstützung gedacht werden. Gleichermaßen können unsere Eltern uns mit einem besonders strengen Wertesystem und hohen Erwartungen erzogen haben, ohne dass wir das Gefühl von einer unglücklichen Kindheit in uns tragen. Diese Kindheitserfahrungen müssen sich nicht negativ in der Zukunft auf uns auswirken. Es besteht aber durchaus auch die Möglichkeit, dass aus diesen ständig hohen Anforderungen das Selbstbild verzerrt und die eigenen Ansprüche an sich selbst so hoch werden, dass die Psyche und der Körper irgendwann Alarm schlagen und eine Psychotherapie bei der Lösung dieses inneren Konfliktes hilfreich sein kann.

Vielleicht lassen diese Beispiele ein neues Bild von der Beanspruchung psychologischer Betreuung entstehen. Jegliche Situationen und Menschen in unserem Leben wirken zu jeder Zeit auf uns. Die Kindheit ist dabei natürlich ein besonders sensibler und ungefilterter Lebensabschnitt, in dem wir noch verletzlicher als im Erwachsenenalter sind. Nichtsdestotrotz können Erfahrungen jenseits des Kindesalters ebenso verletzend und einschneidend auf unser Leben wirken. Der Nutzen einer Psychotherapie sollte deshalb nicht an dem Entstehungsort oder –zeitraum einer psychischen Problematik festgemacht werden, sondern immer an dem individuellen Zustand und dem Gefühl des betroffenen Menschen.

Falls Du Dir nicht sicher bist, ob eine psychologische Betreuung für Dich in Frage kommt, scheue Dich nicht uns zu kontaktieren. Unser Expertenteam schätzt sehr gern mit Dir zusammen ein, welche Methoden sinnvoll für Dich sind, um Dir bei Deinem Thema zu helfen

– egal aus welchem Abschnitt deines Lebens es entsprungen sein mag.