Schlafparalyse

Schlafparalyse: Weshalb manche Menschen beim Aufwachen den blanken Horror erleben

Wer unter dem Phänomen der Schlafparalyse leidet, erlebt beim Aufwachen mitten in der Nacht buchstäblich den reinsten Horror: Die Störung erzeugt ein Gefühl der Lähmung, während die Betroffenen gleichzeitig von sehr realistischen Albträumen geplagt werden. Durch die Körperlähmung besteht keine Möglichkeit, der bedrohlichen Situation zu entkommen. Wie die Störung entsteht und behandelt wird, erfahrt ihr hier.

Erhebungen zufolge erleben rund 8 Prozent der Weltbevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben diese Form der Schlafstörung. Das Phänomen ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst, erste Schilderungen reichen zurück bis in die Antike. Auch unsere heutige Vorstellung von Geistern und Dämonen geht maßgeblich zurück auf Eindrücke, die vornehmlich in Zuständen zwischen dem Träumen und Wachsein entstanden sind. Auch zahlreiche Künstler haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder mit dieser Thematik beschäftigt. Der Dämon, der sein wehrloses Opfer im Schlaf heimsucht, ist ein bekanntes Motiv in nahezu allen Kulturen der Welt.

Wie Schlafparalysen entstehen

Die Schlafparalyse ist eigentlich ein ganz natürlicher Zustand, den wir alle schon einmal erlebt haben. Sie ist eine äußerst nützliche Funktion, denn während wir schlafen, schützt die Schlafparalyse unseren Körper vor Verletzungen, in dem sie das Skelett und die Muskulatur für den Zeitraum des Schlafes lähmt. Steigen wir im Traum beispielsweise eine Treppe hinab, so verhindert die Schlaflähmung, dass wir die dazu nötigen Bewegungen auch in der Realität mit unserem Körper ausführen. Normalerweise schwindet die Schlafparalyse sofort, wenn wir bei Bewusstsein sind.

Kurz vor dem Einschlafen oder während des Aufwachens kann es aber passieren, dass wir diese Körperlähmung in vollem Bewusstsein erleben. Für die meisten Menschen ist das eine äußerst unangenehme und unheimliche Erfahrung, besonders wenn sie mit Albträumen und körperlichen Symptomen einhergeht. Werden diese Erlebnisse zu einem ständigen Begleiter, spricht man von einer Störung. Der Begriff Schlafparalyse wird heute umgangssprachlich als Bezeichnung für diese Störung verwendet.

Wie Betroffene eine Schlafparalyse erleben

Etwa ein Drittel der Betroffenen sehen kurz vor dem Erwachen dunkle Gestalten oder ganz deutlich Dämonen, Hexen oder andere übernatürliche Wesen vor sich, die sie als große Bedrohung empfinden. Die noch vorhandene Schlaflähmung des Körpers erzeugt gleichzeitig das Gefühl, diesen Wesen hilflos ausgeliefert zu sein. Andere können die Art der Bedrohung weniger klar benennen, sie bleibt eher diffus. Angst macht dann vor allem das Gefühl, gefangen im eigenen Körper zu sein.

Bei einigen Menschen treten während einer Schlafparalyse auch körperliche Symptome auf, die denen einer Panikattacke sehr ähnlich sein können. Dazu gehören unter anderem:

  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Schweißausbrüche
  • Druck auf der Brust

Schlafparalysen können auch zum Erleben von so genannten außerkörperlichen Erfahrungen führen. Hierbei entsteht das Gefühl, sich außerhalb des eigenen Körpers zu befinden. Das Phänomen ist vor allem im Zusammenhang mit Narkosen während Operationen bekannt. Patienten haben dann den Eindruck, sich selbst während eines medizinischen Eingriffs aus der Vogelperspektive heraus betrachten zu können. Bei Menschen, die zu Schlafparalysen neigen, können zudem der Missbrauch von Alkohol und bestimmter Drogen deren Auftreten begünstigen.

Sind Schlafparalysen gefährlich?

Die Frage, ob ihre Schlafstörung gefährlich ist, führt Betroffene selten direkt zum Arzt oder Psychotherapeuten. Aus Scham oder Angst für verrückt erklärt zu werden, suchen viele Erklärungsversuche und Lösungsansätze als erstes im Internet.
Besonders in Foren kursieren Deutungsversuche des Phänomens, die Betroffenen zusätzlich Angst machen können. Fakt ist, dass es sich bei der Schlafparalyse um eine normale Erscheinung handelt, deren Zweck es ist, unseren Körper im Schlaf vor Verletzungen zu schützen. Die mit ihr verknüpften Ängste sind problematisch. Zudem kann eine Schlafparalyse als Symptom einer Narkolepsie auftreten, die einer Behandlung bedarf. Doch mit den richtigen Methoden lassen sich diese Ängste in der Regel gut in den Griff bekommen.

Wie Schlafparalysen medizinisch und therapeutisch behandelt werden

In besonders schwierigen Fällen und wenn Betroffene sehr belastet sind, empfehlen Experten eine medikamentöse Behandlung der Schlafstörung. Zum Einsatz kommen Antidepressiva und zwar solche, die gleichzeitig den Schlaf fördern. Die Ursache der Störung können Antidepressiva allerdings nicht beseitigen. Empfohlen wird bei hartnäckigen Schlafstörungen eine psychotherapeutische Begleitung oder die Behandlung in einem medizinischen Schlaflabor.

Schlafstörungen sind den Methoden der Verhaltenstherapie gut zugänglich. Zunächst besteht das Ziel darin, mehr über unbewusste Ängste des Patienten herauszufinden, die ihren Ausdruck in der Schlafparalyse finden. Zusätzlich können Techniken erlernt werden mit deren Hilfe es gelingt, aus der Lähmung während einer Schlafparalyse „auszusteigen“.

Schlafstörungen selbst erfolgreich vermindern

Ausreichende Schlaf, feste Schlafenszeiten und kleine Einschlafrituale können helfen, Schlafparalysen zu verhindern. Bewährt hat sich für viele Betroffene auch das Erlernen von Techniken zur Stressbewältigung. Dazu zählen zum Beispiel Yoga, Achtsamkeitsübungen, Meditation und ähnliche Verfahren, die jedoch regelmäßig und konsequent angewendet werden müssen, damit sie ihre Wirkung entfalten.

Um allgemein etwas ruhiger zu schlafen, kann bereits ein so genanntes Nachtlicht eine gute Unterstützung sein. Betroffenen nimmt es die Angst, beim plötzlichen Aufwachen in völliger Dunkelheit allein zu sein.